27.01.2012
Dortmund (energate) - Durch die Erneuerbaren können die Stadtwerke selbst Strom erzeugen und sind unabhängiger geworden. "Wir haben in Dortmund die Gelegenheit ergriffen, um über Wind- und Wasserkraft in die Erzeugung einzusteigen", so der Vorsitzende der Geschäftsführung des Dortmunder Versorgers DEW21, Frank Brinkmann, im Gespräch mit energate. Inzwischen verfüge das Stadtwerk über 94 MW Leistung aus erneuerbaren Quellen. In den letzten Jahren habe DEW21 angefangen, die Wertschöpfungskette auszuweiten, die Erzeugung sei dabei ein wichtiger Anteil gewesen. "Früher sprachen die Stadtwerke von Versorgungsfällen, heute haben wir Kunden", begründet Brinkmann den Schritt. Die Aufgaben seien anspruchsvoller geworden und die Stadtwerke hätten neue Chancen im Markt bekommen.
"Insgesamt kann man sagen, dass wir uns professionalisieren müssen und die ersten Schritte bereits gegangen sind", so Brinkmann. Die regionale Verortung des Unternehmens sei allerdings weiter ein wertvoller Teil der Betriebsidentität. Entsprechend sei dezentrale Erzeugung für ein Stadtwerk eine gute Investitionsmöglichkeit. Die Erzeugungsanlagen seien in Nordrhein-Westfalen angesiedelt. In Offshore-Anlagen wolle die DEW21 hingegen derzeit nicht investieren.
Zweites Standbein der Erzeugungsstrategie sei die Beteiligung an konventionellen Kraftwerken. Ein solches Projekt könne ein Stadtwerk dieser Größe nicht alleine stemmen. Zunächst beteiligte sich DEW21 an dem Gemeinschaftskraftwerk Gekko in Hamm unter der Leitung von RWE. Hier haben die Stadtwerke jedoch kaum Einfluss auf den Verlauf des Projektes, weil ihre Anteile so klein sind. Dies führte in den vergangenen Monaten zu Streit zwischen den kommunalen Betrieben und RWE (energate berichtete). Nachdem sich die Projektbeteiligten geeinigt hatten, war kein Kommentar zum Verfahren zu bekommen.
Dennoch hat sich das kommunale Energieunternehmen für weitere Beteiligungen an großen Erzeugungsanlagen entschieden. Als Teil des Stadtwerkekonsortiums beteiligte sich DEW21 an der Steag. "Damit können wir den Kraftwerksbetrieb und weitere Kraftwerksbauten beeinflussen und unser Portfolio sinnvoll erweitern", so Brinkmann. "Über die erneuerbare Erzeugung konnten wir uns von einem reinen kommunalen Versorger zu einem Energieunternehmen entwickeln", so Brinkmann. Die Erweiterung in die konventionelle Erzeugung werde das Unternehmen weiter stärken. Die Gerüchte um die fehlende Profitabilität der Steag weist Brinkmann zurück. "Das Konsortium ist zu einem guten Zeitpunkt eingestiegen und hat derzeit keinen Druck, sondern will zunächst die Steag entwickeln und kann später in Ruhe einen strategischen Partner suchen", so Brinkmann. Die Stadtwerke halten insgesamt 51 Prozent am Unternehmen und haben die Option, die restlichen 49 Prozent zwischen 2014 und 2016 zu kaufen.
Mit der Steag ist DEW21 an mehreren Kohlekraftwerken in Deutschland und verschiedenen Anlagen im Ausland beteiligt. Zur Steag gehören auch Erzeugungseinheiten in der Türkei oder in Brasilien, das Unternehmen soll sich auch in Zukunft im Ausland engagieren. Dortmund ist damit international im Erzeugungsgeschäft tätig. /sw